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Berner Sennenhund steht auf einer Wiese

Ruhig, schwer, anhänglich

Berner Sennenhund

Der Berner Sennenhund stammt vom Dürrbächler ab, einem Bauernhund aus dem bernischen Mittelland und den Voralpen: Hofwächter, Treibhund und Zughund vor dem Milchkarren. Daher sein Wesen — wachsam ohne Schärfe, eigenständig und eng an seine Menschen gebunden. Ein ruhiger Begleiter, aber kein anspruchsloser.

Widerristhöhe
Rüden 64–70 cm, Hündinnen 58–66 cm
Gewicht
Rüden etwa 39–50 kg, Hündinnen etwa 36–48 kg
Fell
langes Deckhaar mit dichter Unterwolle, dreifarbig
Fellpflege
hoch, haart ganzjährig
Bewegung
rund 1,5–2 Stunden täglich
Besonderheit
kein Lauf- oder Sporthund; ausgesprochener Spätentwickler

Wesen

Gelassen, aber nicht gleichgültig.

Der FCI-Standard nennt den Berner sicher, aufmerksam, wachsam und furchtlos, mit mittlerem Temperament und guter Führigkeit. Praktisch heißt das: hohe Reizschwelle. Lärm, Verkehr und Trubel bringen einen gut sozialisierten Berner selten aus der Ruhe, er bellt wenig und hat kaum Jagdtrieb.

Zentral ist die enge Bindung an die eigenen Menschen. Zuneigung zeigt er oft ungestüm, bleibt dabei aber lenkbar; Fremden gegenüber ist er freundlich-zurückhaltend. Hinter der robusten Hülle steckt ein sensibler Hund mit ausgeprägtem Gerechtigkeitssinn. Als ehemaliger Hofhund hinterfragt er Anweisungen — was HalterInnen oft als Sturheit erleben.

Berner Sennenhund im Porträt

Im Alltag

Gemächliche Runden, kühle Plätze.

Ein ausgewachsener Berner braucht täglich anderthalb bis zwei Stunden Spaziergang, Erziehung, Spiel und Kopfarbeit, dazu ausdrückliche Ruhephasen. Joggen und Radfahren liegen ihm wenig, für Agility ist er zu schwer.

Das dichte Fell schützt vor Kälte und Nässe, wird im Sommer aber zum Problem, weil Hunde fast nur übers Hecheln kühlen. Dann gehören die Runden in die Morgen- und Abendstunden, kühle, schattige Liegeplätze sind Pflicht. Das Auto ist eine Hitzefalle: Schon unter 30 Grad Außentemperatur steigt die Innentemperatur binnen einer halben Stunde über 50 Grad. Südurlaube im Hochsommer sind ungeeignet. Geschoren wird nicht, das zerstört den Witterungsschutz dauerhaft; stattdessen wird die Unterwolle ausgekämmt, zwei- bis dreimal wöchentlich, im Fellwechsel täglich.

Berner Sennenhund läuft über eine Wiese

Wer sich diese Rasse zulegen sollte

Menschen, die viel zu Hause sind.

Die wichtigste Voraussetzung ist Anwesenheit. Für ganztags Berufstätige, die den Hund regelmäßig allein lassen müssen, eignet sich diese Rasse nicht. Ideal ist ein Haushalt, in dem fast immer jemand da ist — oder eine verlässliche Betreuung.

Wohnsituation

Haus mit Garten ist optimal, entscheidend ist aber vor allem ebenerdiger Zugang oder ein Aufzug. Kleine Stadtwohnungen in oberen Etagen passen schlecht, weil der Junghund Treppen meiden soll und ein alter Hund sich nicht tragen lässt.

Freizeit und Fitness

Passend ist der Berner für Menschen, die bei jedem Wetter gern gemächlich spazieren gehen. Wer die Freizeit lieber mit Radfahren, Joggen oder Skifahren verbringt und einen Partner dafür sucht, liegt falsch. Körperliche Fitness ist nötig, um sich beim ungestümen Junghund durchzusetzen; älteren Menschen fehlt dafür oft die Kraft.

Erfahrung und Kinder

AnfängerInnen kommen zurecht, sofern sie sich einarbeiten, eine Hundeschule besuchen und Zeit mitbringen. Kindern gegenüber gilt der Berner als geduldig, doch Kinderfreundlichkeit ist nur bedingt genetisch und stark von der Prägung abhängig. Kind und Hund dürfen niemals unbeaufsichtigt zusammen sein — schon weil ein Junghund von 40 bis 50 kg ein Kleinkind im Spiel umstößt. Familien mit Kleinkindern, die sich zusätzlich einen Welpen anschaffen wollen, ist abzuraten: Der Junghund braucht ein bis zwei Jahre volle Aufmerksamkeit.

Mitzudenken sind die Kosten der Größe: Futter, Ausstattung, ein Kombi für den Transport und Betreuung fallen deutlich höher aus.

Worauf zu achten ist

Drei Punkte entscheiden über den Alltag.

  1. Das Alleinsein

    Die extreme Menschenbezogenheit macht zu langes oder zu häufiges Alleinlassen zum häufigsten Konfliktpunkt: Der Hund leidet und entwickelt Trennungsstress und Zerstörungsverhalten. Alleinbleiben muss von Anfang an behutsam trainiert werden.

  2. Kraft, Leinenführigkeit und Schonung des Junghundes

    Wird die Leinenführigkeit nicht früh und sanft antrainiert, steht man später mit einem 45-kg-Hund da, der kaum zu halten und für Kinder oder schwächere Personen gefährlich ist. Ebenso rächt sich körperliche Überlastung im Junghundealter: Der Berner ist erst mit rund 16 bis 20 Monaten ausgewachsen, geistig noch später. Im ersten Jahr gilt: kurze, häufige Runden, weiche Untergründe, Gewichtskontrolle, Treppen und Sprünge aus dem Auto vermeiden. Hinzu kommt die Pubertät ab etwa acht bis neun Monaten, in der sicher geglaubte Kommandos gern „vergessen“ werden.

  3. Unterschätzter Pflegeaufwand und die falsche Erziehungsmethode

    Wer dauerhaftes Haaren, Bürstroutine und Sommerproblematik unterschätzt, ist rasch überfordert: Haare auf Böden, Polstern und Kleidung sind Alltag, und der Hund trägt Schmutz herein. Wer den sensiblen Hund zudem mit Härte, Druck oder Lautstärke erziehen will, erreicht das Gegenteil — er schaltet auf stur oder zieht sich zurück. Was wirkt, ist ruhige, konsequente Führung mit positiver Verstärkung in kurzen, abwechslungsreichen Einheiten. Konsequenz ohne Härte ist der schmale, aber entscheidende Grat.

Berner Sennenhund liegt ruhend am Boden

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