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Schwarzer Labrador Retriever am Flussufer

Nasenarbeit und Wasserfreude

Labrador Retriever

Der Labrador Retriever gilt als freundlich, menschenbezogen und ausgeglichen — und genau dieses Image führt in die Irre. Hinter dem sanften Wesen steckt ein Apportierhund, der Aufgaben braucht, spät reif wird und eine Futtermotivation mitbringt, die den Alltag prägt.

Größenordnung
mittelgroß bis groß; Widerristhöhe Rüden etwa 56–57 cm, Hündinnen etwa 54–56 cm
Gewicht
meist rund 27–36 kg
Fell
kurzes, dichtes Doppelhaar mit wasserabweisendem Deckhaar und Unterwolle
Farbschläge
schwarz, gelb (hellcreme bis fuchsrot) und braun/schokolade
Haaren
ganzjährig moderat, im Fellwechsel im Frühjahr und Herbst stark
Bewegungsbedarf
erwachsen rund zwei Stunden täglich, über den Tag aufgeteilt; im ersten Lebensjahr bewusst dosiert

Wesen

Freundlich — und trotzdem ein Arbeitshund.

Der Rassestandard beschreibt den Labrador als von freundlichem Naturell, ohne Anzeichen von Aggressivität oder deutlicher Scheue. Charakteristisch ist der ausgeprägte „will to please". Fremden begegnet er offen bis distanzlos, mit anderen Hunden ist er meist verträglich. Als Wachhund taugt er deshalb nicht.

Die Anlagen stammen aus der Arbeit: Seine Vorfahren, die St. John's Water Dogs, halfen an der Küste Neufundlands den Fischern im kalten Wasser; britische Züchter formten daraus ab dem frühen 19. Jahrhundert einen jagdlichen Apportierhund. Wasserliebe, Apportierpassion, weiches Maul und Kooperationsbereitschaft sind geblieben.

Gelber Labrador Retriever sitzend im Porträt

Arbeits- und Showlinien

Eine Rasse, zwei Temperamente.

Offiziell ist der Labrador eine Rasse, praktisch haben sich zwei Typen entwickelt. Die Arbeits- oder Field-Trial-Linie ist leichter und wendiger gebaut und bringt mehr Arbeitsdrive mit, die Show- oder Classic-Linie ist schwerer und tendenziell gemütlicher. Im Temperament und im Bewegungsbedarf liegen die Extreme weit auseinander. Eine Garantie ist die Linie aber nicht: Die Streuung innerhalb der Rasse ist groß, Sozialisierung und Erziehung prägen den einzelnen Hund stark.

Im Alltag

Der Apportiertrieb braucht ein Ventil.

Naheliegend ist die Dummyarbeit — Apportieren als Wildersatz, das die Anlagen kanalisiert und Impulskontrolle einübt. Ebenso passen Wasserarbeit, Nasenarbeit, Fährte und Mantrailing; als Minimum gilt, Spaziergänge mit Apportieraufgaben anzureichern.

Die Erziehung ist leicht und schwer zugleich. Leicht fällt vieles wegen Lernfreude und Futtermotivation. Schwer wird es bei Impulskontrolle, Leinenführigkeit, überschwänglichem Begrüßen und beim Jagd- und Apportiertrieb: Das Ausführen der Sequenz belohnt den Hund von selbst, weshalb bloßes Rufen wenig ausrichtet. Es braucht einen früh über Futter aufgebauten Rückruf, die Schleppleine zur Sicherung und ein kontrolliertes Ventil in der Dummyarbeit. Die Fellpflege ist unkompliziert, im Fellwechsel gehört der Unterwollrechen dazu.

Schokobrauner Labrador Retriever läuft durch Flachwasser

Wer sich diese Rasse zulegen sollte

Zwei Stunden am Tag, verlässlich.

Passend ist der Labrador für aktive, körperlich präsente Menschen, die täglich zwei Stunden Bewegung und Kopfarbeit sicher unterbringen. Für sorgfältige AnfängerInnen ist er machbar, wenn eine Hundeschule begleitet.

Entscheidend sind vier Punkte.

Wohnsituation

Wohnung geht, wenn der Hund geführt und ausgeglichen ist; ein Garten ersetzt weder Auslastung noch Erziehung, Nähe zu Wasser und Freiflächen ist ein Pluspunkt.

Zeit am Tag

Der Labrador ist stark menschenbezogen und kann schlecht lange allein bleiben — Vollzeit-Abwesenheit ohne Betreuung ist ein Ausschlusskriterium, besonders beim Junghund.

Kinder im Haushalt

Grundsätzlich passend, aber ein junger, 30 kg schwerer, überschwänglicher Hund rempelt Kleinkinder unabsichtlich um; das verlangt Aufsicht.

Die eigene Kraft

Der Labrador wurde auf Zugkraft im Wasser gezüchtet und entwickelt an der Leine erheblichen Zug. HalterInnen brauchen die Statur, ihn sicher zu halten, sinnvollerweise am gut sitzenden Brustgeschirr.

Nicht geeignet ist er für Menschen, die einen von Haus aus ruhigen, wenig fordernden oder wachsamen Hund suchen, und für Haushalte, in denen lange Abwesenheit die Regel ist.

Worauf zu achten ist

Drei Punkte entscheiden über den Alltag.

  1. Futtermanagement

    Der Labrador ist sprichwörtlich verfressen, und das ist zum Teil in der Veranlagung begründet: Bei vielen Hunden dieser Rasse greift das Sättigungssignal schlechter, die Futtermotivation bleibt hoch. Im Training ist das ein Geschenk, im Alltag eine Baustelle — Essen klauen, betteln, Unrat aufsammeln. Feste Rationen samt verrechneter Leckerli, gesicherte Küche und Mülleimer und früh geübter Verzicht am Futter sind kein Feinschliff, sondern Grundlage.

  2. Die Junghund-Falle

    Wer den ruhigen Familienhund sofort erwartet, wird von zwei bis drei Jahren Ungestüm überrascht. Labradore werden mental spät reif. Wer diese Zeit nur aussitzt, statt konsequent an Leinenführigkeit, Impulskontrolle und Rückruf zu arbeiten, bei dem verfestigt sich Problemverhalten — der vernünftige erwachsene Hund kommt nicht von allein.

  3. Auslastung und Ruhe

    Unterforderung führt zur Selbstbeschäftigung: Zerstören, Jagen. Dauerbespaßung ist kein Gegenmittel, denn ein dauernd hochgefahrener Hund findet nicht mehr herunter. Gesucht ist die Balance aus Kopf- und Körperarbeit und trainierten Ruhephasen. Maßstab: Bleibt der erwachsene Hund nach der Auslastung entspannt und ansprechbar, stimmt das Pensum; dreht er danach auf, war es zu viel oder das Falsche.

Schwarzer Labrador Retriever liegt entspannt

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