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Malteser steht auf einer Wiese

Mehr Hund als Fell

Malteser

Der Malteser ist eine der ältesten reinen Begleithunderassen — nie zum Jagen, Hüten oder Bewachen gezüchtet, sondern ausschließlich als Gefährte des Menschen. Über das Zusammenleben entscheiden zwei Dinge: die tägliche Fellpflege und die Frage, ob er als Hund erzogen oder als Püppchen behandelt wird.

Größe
Kleiner Gesellschaftshund; Widerristhöhe Rüden 21–25 cm, Hündinnen 20–23 cm (FCI-Standard Nr. 65)
Gewicht
etwa 3 bis 4 kg
Fell
langes, glattes, reinweißes Seidenhaar ohne Unterwolle; wächst kontinuierlich und haart kaum
Bewegungsbedarf
moderat, aber real: 30 bis 60 Minuten Gehen und Spiel täglich, dazu geistige Beschäftigung
Einordnung
FCI-Gruppe 9, Sektion 1 (Bichons)
Haltung
wohnungstauglich; das feine Fell schützt wenig bei Kälte und Nässe

Wesen

Klein, aber ohne jede Furcht.

Der FCI-Standard beschreibt den Malteser als lebhaft, zärtlich, sehr entspannt und sehr intelligent; der amerikanische Rassestandard hält fest, dass er bei aller geringen Größe ohne Furcht wirke. Er hängt eng an seiner Bezugsperson und ist zugleich temperamentvoll und selbstbewusst.

Das hat eine Kehrseite: Gegenüber Fremden ist er zurückhaltend und neigt dazu, sie anzubellen. Er meldet zuverlässig — ohne Sozialisierung und Führung wird daraus Dauerkläffen. Gelernt wird schnell und gern, sensibel ist er trotzdem: kurze, freundliche, belohnungsbasierte Einheiten wirken besser als Druck.

Malteser im Porträt

Im Alltag

Nähe zählt mehr als Fläche.

Sein Job ist der Mensch. Malteser folgen ihrer Bezugsperson auf Schritt und Tritt und wollen überallhin mitgehen — das macht sie zu unkomplizierten Begleitern in Stadt und Wohnung. Nicht die Quadratmeterzahl zählt, sondern die Nähe. Erwachsene Hunde vertragen vier bis sechs Stunden allein, Welpen deutlich weniger.

Ein Sofakissen ist er nicht. Bewährt haben sich zwei Spaziergänge täglich plus freies Spiel; Bewegung in der Wohnung genügt nicht. Umgekehrt ist Überforderung zu vermeiden: kein Jogging, kein Hochleistungssport. Fehlt die Auslastung, zeigt sich das in Bellen, Unruhe und Zerstörung.

Malteser läuft über eine Wiese

Wer sich diese Rasse zulegen sollte

Menschen, die viel zu Hause sind.

Menschen mit viel Alltagspräsenz: Homeoffice, Teilzeit, Ruhestand oder die Möglichkeit, den Hund mitzunehmen. Wer regelmäßig acht bis zehn Stunden außer Haus ist, sollte die Rasse ohne verlässliche Betreuung nicht wählen.

Erfahrung

Als anfängertauglich gilt er, weil er gelehrig und nicht überfordernd ist — vorausgesetzt, es wird konsequent erzogen. Die eigentliche Hürde ist nicht die Intelligenz des Hundes, sondern die Selbstdisziplin der HalterInnen.

Kinder

Für Familien mit älteren, rücksichtsvollen Kindern etwa ab Grundschulalter ist er geeignet. Bei 3 bis 4 kg ist er empfindlich; grober Umgang oder ein Sturz können ihn verletzen. Kinder brauchen klare Regeln: fressen und schlafen lassen, nicht ständig herumtragen.

Körperlicher Einsatz

Kraft ist nicht nötig, gefragt sind eher Fingerfertigkeit und Geduld; auch weniger mobile Menschen kommen zurecht, solange die täglichen Runden gesichert sind.

Nicht passend ist die Rasse für lange Alleinlass-Zeiten, für Haushalte mit sehr kleinen Kindern und für alle, die einen wetterfesten Outdoor-Hund oder einen anspruchslosen Begleiter für die Handtasche suchen.

Worauf zu achten ist

Drei Punkte entscheiden über das Zusammenleben.

  1. Die tägliche Fellpflege wird systematisch unterschätzt

    Sie ist einer der häufigsten Gründe, warum Malteser im Tierschutz landen. Weil Unterwolle fehlt und das Haar weiterwächst, haart der Hund kaum, verfilzt aber binnen Tagen — besonders an Reibungsstellen wie Halsband, Achseln und hinter den Ohren. Solche Matten ziehen schmerzhaft an der Haut und lassen sich oft nur noch wegscheren. Praktisch heißt das: täglich mit Pin- oder Zupfbürste und Metallkamm durchgehen, alle zwei bis drei Wochen baden — erst bürsten, dann baden, weil Nässe Knoten fixiert — danach föhnen, dazu regelmäßig das Gesichtsfell reinigen.

    Wer den vollen Bodenmantel will, arbeitet täglich daran. Wer das nicht leisten kann, wählt konsequent einen Kurzschnitt und geht alle vier bis sechs Wochen zum Groomer; da der Malteser einschichtig behaart ist, wächst geschorenes Fell normal nach. Der Kurzschnitt ist keine Notlösung, sondern eine Anpassung an die verfügbare Zeit.

  2. Alleinbleiben muss von Tag eins trainiert werden

    Ein Hund, dessen einzige Aufgabe der Mensch ist, kommt mit Isolation schlecht zurecht. Der Aufbau erfolgt schrittweise: kurze Abwesenheiten, ruhiges Kommen und Gehen, Beschäftigung, kein Drama. Wer den Hund anfangs ununterbrochen bei sich hat und ihn später plötzlich lange allein lässt, erzeugt genau das Kläffen und die Zerstörung, die dann als typisch klein abgetan werden.

  3. Er braucht dieselben Regeln wie ein großer Hund

    Kleine Hunde werden häufig herumgetragen und von Regeln ausgenommen. Eine Wiener Untersuchung an über 1200 Haushalten zeigt, dass HalterInnen kleiner Hunde inkonsequenter handeln und seltener mit ihnen trainieren und spielen — und dass diese Hunde als ängstlicher, erregbarer und weniger gehorsam beschrieben werden. Fremde anspringen, größere Hunde herausfordern oder Dauerkläffen sind keine niedlichen Eigenheiten, sondern Erziehungslücken.

Malteser liegt auf einer Decke

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