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Großpudel steht auf einer Wiese

Wasserhund im Lockenfell

Pudel

Der Pudel wurde als Wasser- und Apportierhund für die Entenjagd gezüchtet — der Salonhund ist eine spätere Zuschreibung. Er ist ein sehr lernfreudiger, sensibler Hund, den es täglich zu beschäftigen gilt. Dazu kommt ein Fell, das kaum haart, dafür ständig weiterwächst.

Großpudel
über 45 bis 60 cm Widerristhöhe (Toleranz +2 cm), etwa 18–30 kg
Kleinpudel
über 35 bis 45 cm, etwa 7–14 kg
Zwergpudel
über 28 bis 35 cm, etwa 3,5–7 kg
Fell
Wollhaar, seltener Schnurenhaar; keine Unterwolle, kein Fellwechsel
Pflege
Bürsten mehrmals pro Woche, Schur alle sechs bis acht Wochen
Bewegung
je nach Größe 60–90 Minuten täglich, dazu Kopfarbeit
Einordnung
FCI-Gruppe 9, ohne Arbeitsprüfung; Ursprungsland Frankreich

Wesen

Der Salonhund war ein Jagdhund.

Der Kern der Rasse liegt im Wasser. Der Pudel apportierte geschossenes Federwild aus Schilf und kalter Nässe — eine Aufgabe, die Nase, Ausdauer und ruhiges Warten verlangte; das dichte Wollhaar schützte ihn dabei. Sein Name geht auf das altdeutsche „Pfudel", die Pfütze, zurück, der französische „Caniche" auf „cane", die Ente. Sogar die Löwenschur stammt aus dieser Arbeit: geschoren wurde von der Rückenmitte an, um die Hinterhand beim Schwimmen frei zu machen; erst in den Salons wurde daraus ein Selbstzweck. Das Bild vom frisierten Modehund entstand an den Höfen des 18. Jahrhunderts, in der Zirkusmanege und im Pudelboom zwischen 1962 und 1972. Es steht der Rasse bis heute im Weg, weil es verdeckt, was sie ausmacht.

Dahinter steht ein hochintelligenter, stark menschenbezogener Hund. Der Deutsche Pudel-Klub nennt ihn „originell, sehr gelehrig, stets wachsam"; was er einmal gelernt hat, vergisst er nicht mehr. Er will gefallen, ist dabei aber kein unterwürfiger, sondern ein mitdenkender Hund. Prägend ist seine Sensibilität: Härte und Lautstärke verunsichern ihn. Fremden begegnet er freundlich bis neutral, die Apportierfreude ist fast allen Pudeln geblieben.

Kleinpudel im Porträt

Die drei Größen

Ein Standard, drei Schläge.

Laut FCI-Standard unterscheiden sich die Varietäten nur in der Größe, nicht im Charakter; im Alltag zeigen sich dennoch Unterschiede. Der Großpudel ist der sportlichste Schlag mit dem höchsten Bewegungsbedarf, reift langsam und bringt am ehesten Wachtrieb und einen lenkbaren Jagdtrieb mit; für Hundesport und Dummyarbeit ist er die erste Wahl. Der Kleinpudel ist ein stabiler Allrounder mit weiterhin deutlichem Bewegungsdrang, in jeder Wohnform zu halten. Der Zwergpudel ist ein handlicher, oft quirliger und sehr sensibler Begleiter, häufig als Therapiehund im Einsatz — leistungsfähiger, als sein Schoßhund-Image vermuten lässt. Der Bewegungsbedarf sinkt mit der Größe, ein reiner Sofahund ist aber kein Pudel.

Im Alltag

Lernen fällt ihm leichter als Nichtstun.

In Stanley Corens Rangliste zur Arbeits- und Gehorsamsintelligenz belegt der Pudel Platz 2 von 138 Rassen, für alle Größen gleichermaßen: Er versteht neue Signale schnell und führt sie zuverlässig aus. Agility, Obedience und Dogdancing liegen ihm; an seine Herkunft knüpfen Dummy- und Nasenarbeit am besten an. Großpudel werden auch als Blindenführ- und Rettungshunde geführt. Nötig ist die Kombination aus Bewegung und Kopfarbeit — das eine ersetzt das andere nicht. Auch Ruhe muss geübt werden. Allein bleibt er ungern; stundenweise gelingt es nach Training.

Großpudel rennt über eine Wiese

Wer sich diese Rasse zulegen sollte

Zeit für Bewegung und für die Bürste.

Der Pudel passt zu Menschen, die täglich Zeit für gemeinsame Aktivität und zusätzlich für die Fellpflege haben.

Erfahrung

Weil er lernfreudig ist und Erziehungsfehler verzeiht, eignet er sich auch für ErsthundehalterInnen — aber nur für solche, die keinen anspruchslosen Hund suchen; eine Hundeschule ist dann sinnvoll.

Wohnsituation

Alle drei Größen sind stadttauglich, sofern für Auslauf gesorgt ist: Für den Großpudel sind Haus und Garten ideal, in der Etagenwohnung ist er nur mit konsequenter Auslastung gut aufgehoben.

Kinder

Pudel gelten als kinderlieb und geduldig; beim Zwergpudel ist auf behutsamen Umgang der Kinder zu achten.

Mobilität

Wer wenig mobil ist, fährt mit einem Klein- oder Zwergpudel besser.

Nicht geeignet ist die Rasse für Menschen, die viel unterwegs sind, die keinen Hund mit täglicher Kopfarbeit wollen oder die Fellpflege scheuen.

Worauf zu achten ist

Drei Punkte entscheiden über die Haltung.

  1. Die Fellpflege

    Sie ist der häufigste Grund, an dem die Haltung scheitert, und beruht auf einem Trugschluss: „haart nicht" wird mit „pflegeleicht" verwechselt. Tatsächlich heißt es, dass das ausgefallene Haar im Lockenfell hängen bleibt statt zu Boden zu fallen — und ohne Bürsten verfilzt. Nötig ist Kämmen bis auf die Haut, mehrmals pro Woche; die Verfilzung beginnt meist in den Achseln und hinter den Ohren, und ist sie erst da, hilft oft nur noch die Kurzschur. Dazu kommt, dass das Haar kontinuierlich weiterwächst und alle sechs bis acht Wochen geschoren werden muss, meist bei einer HundefriseurIn, weil das Maschinen und Sachkenntnis erfordert. Der Aufwand ist weniger eine Geld- als eine Zeitfrage; Schnurenhaar verlangt noch mehr davon. Der Welpe sollte früh an Bürste, Kamm und Schermaschine gewöhnt werden; im Alltag genügt meist ein kurzer Sportschnitt.

  2. Die Unterforderung

    Ein Arbeitshund, der geistig leer läuft, sucht sich selbst Aufgaben: ständiges Aufmerksamkeitsfordern, Unruhe, übermäßiges Bellen, Zerstören, schlechte Abrufbarkeit. Der Fehler liegt fast nie beim Hund, sondern in zu wenig Kopfarbeit. Zeigen sich solche Muster, gehört die Auslastung erhöht.

  3. Verhätschelung und Härte

    Gerade beim Zwergpudel besteht die Versuchung, den kleinen Hund zu vermenschlichen und ihm keine Grenzen zu setzen; er braucht dieselbe konsequente Erziehung wie ein großer Hund. Zugleich verunsichert ihn das andere Extrem aus Druck und Lautstärke. Zwischen liebevoller Konsequenz und Verhätschelung oder Härte liegt ein schmaler Grat.

Zwergpudel liegt entspannt am Boden

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